Sei gut zu dir – warum zuviel Selbstkritik schadet

Du selbst bist dein schärfster Kritiker. Dich selbst lobst du nie? Wie du aus dieser Falle ausbrechen kannst.

Der heutige Artikel handelt von einem sehr persönlichen Thema. Mein Mann hatte mich auf die Idee dazu gebracht. Am letzten Wochenende hatte er zu mir gesagt:

“Sei doch nicht immer so kritisch mit dir, lob dich doch mal! Jetzt hast du in so kurzer Zeit so viel auf die Beine gestellt. Und das alles noch nebenbei; neben deinem nicht gerade stressfreien Job. Schaue doch mal auf das Erreichte zurück und lobe dich!”

Das saß, er hatte mich ertappt. Ich war schon wieder dabei meine nächste Hürde zu erklimmen, mich selbst herauszufordern, nie zufrieden zu sein, immer ein wenig an mir selbst zu zweifeln. Kennst du das? Ich beziehe es auf mich, wenn es z. B. mit der Technik mal nicht klappen will. Ich versuche das Problem in mir selbst zu finden. Ich werde ungeduldig. (Geduld ist nicht meine Stärke, in Geduld muss ich mich üben).

Quiiiiiiieeetschchchchchchchc……..

Autsch, könnt ihr auch den Quietsch-Ton hören? Das Stoppschild vor euren Augen sehen?

 

Hamster_stop

 

Ich habe tief Luft geholt, meine Sachen zur Seite gelegt und ging in mich. Ich habe in meine Tagebücher geschaut. Dort ist alles notiert, was ich in letzter Zeit bewältigt habe.

Puh, dachte ich, ist ganz schön viel. Von meinem ambitionierten Vorhaben habe ich nur wenig zurückstellen müssen. Viele neue Herausforderungen habe ich auch noch zusätzlich bewältigt.

Wie ein Film, laufen die letzen paar Monate vor meinen Augen ab. Ich weiß noch, wie ich Audacity heruntergeladen habe (Was ist das denn? = Eine Software zum Bearbeiten von Tonaufnahmen) und dachte, was mache ich nun damit? Und heute fällt es mir ganz leicht damit umzugehen.

Mein Mann hatte recht, was sagte er nochmal?

Lob dich doch mal!

 

Sich selbst zu loben ist eine Pflicht. Wenn andere dich loben, dann ist es die Kür.

 

Und genau das tat ich. Ich beschloss an diesem Tag nicht mehr weiter an meinem Projekt zu arbeiten. Ich forderte meinen Mann auf, sich schick anzuziehen und sagte: “Du hast recht, komm, wir gehen feiern, ich lade dich heute ein.” Es wurde ein sehr schöner Abend.
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Warum erzähle ich dir das?

Vielleicht kennst du ja ähnliche Situationen. Als Freiberufler, Sidepreneur, als Chef, als kreativ Schaffender, als Online-Coach und Blogger…, wer ist in der Regel unser strengster Kritiker?

In der Regel sind wir es selbst. Das ist auch gut so, da wir gute und perfekte Arbeit abliefern wollen. Aber manchmal ist zu viel Selbstkritik belastend. Dann fangen wir an uns zu verkrampfen und uns abzuwerten. Im Grunde geht dann gar nichts mehr richtig voran.

Uns hier und da selbst loben, eine Wohlfühlpause einlegen und Erfolge feiern, das tut einfach richtig gut.

Denn das ist es, was wirklich selbstmotiviert.

Wie kannst du nun die richtige Balance zwischen einem kritischen Bewusstsein und Freude über deine Erfolge herstellen?

Indem du Schluss machst mit der Selbstkritik und dem Zweifeln an dir selbst.

1. Wieso kann ich das jetzt nicht augenblicklich?

Abschalten lässt sich das natürlich nicht. Aber ich kann empfehlen deine Gedanken umzulenken. Richte sie auf deine Stärken. Wie war das beim letzen Mal als du vor einer schier unlösbaren Aufgaben gestanden hast? Du hast du sie gelöst. Wie hast du sie gelöst? Welche deiner Fähigkeiten waren dir dabei nützlich?

2. Alle anderen können das, nur ich kann es nicht?

Das passt gut in die Selbstzweifel aber es stimmt so nicht. Tatsächlich schauen die meisten Menschen auf das, was die anderen tun und dabei zu wenig auf sich selbst.

“Meine Schwester hat es geschafft, sie hat 10 Kilo abgenommen, ich habe 2 Kilo zugenommen.”

Oder, “mein Kollege hat den Auftrag vom Chef bekommen und nicht ich.”

“Meine Schulfreundin wohnt in einem tollen Haus und muss noch nicht einmal arbeiten gehen.”

Bei diesen Vergleichen, gehen wir mit uns selbst nicht fair um. Vielleicht bist du ja Mutter von zwei Kindern und hast auch noch einen Halbtagsjob zu bewältigen. Die anderen haben ein völlig anderes Leben und völlig andere Vorraussetzungen als du. Vielleicht einfach nur Glück gehabt.

Du kannst dich da überhaupt nicht vergleichen. Also hör auf damit!

Und auf was schaust Du? Auf das Haus deiner Freundin. Vielleicht sieht sie es überhaupt nicht so und beneidet dich um deine tollen Kinder.

Halte in solchen Situationen, deinen Selbstkritiker im Zaum, denn du weißt nicht, ob es den anderen wirklich besser geht.

Schaue auf dich selbst, was macht dir Freude in deinem Leben? Was ist das Gute darin? Ausschließlich darauf kommt es an.

3. Ich trete und trete im Hamsterrad und komme einfach nicht voran

Diesen Gedanken solltest du ein für alle mal aus deinem Repertoire streichen. Denn dieser Gedanke führt zu nichts.

Dein Ziel sollte sein: “Was muss ich tun, um mich so anzunehmen, wie ich bin?”

Es ist unwichtig, wie deine Leistung von anderen bewertet wird. Anerkennung brauchst du in erster Linie dir selbst gegenüber. Du musst nicht ständig etwas machen, um andere dazu zu bringen dich wahrzunehmen.

Mein Tipp: Umgib dich mit guten Freunden und finde heraus, was sie besonders an dir schätzen. Dadurch kannst du etwas über deine wichtigen Eigenschaften, über dein Selbst, erfahren.

Überlege wie du diese Stärken weiter ausbauen kannst.

Notiere dir deine Wertvorstellungen? Was ist dir im Leben wirklich wichtig? Was musst du auf deiner individuellen Liste ganz noch vorne setzen?

4. Ich werde nur von den anderen geliebt, wenn ich so bin wie sie.

Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Anerkennung. Das ist oft der Grund, warum wir glauben Leistungen vorweisen zu müssen. Dabei gehen wir in die Falle Anerkennung durch Mehrleistung zu generieren und verlieren uns selbst.

Dabei orientieren wir uns an den Erwartungen anderer und nicht mehr an unseren eigenen Bedürfnissen.

Sind die Erwartungen der anderen und unsere Bedürfnisse nicht kompatibel, dann haben wir einen inneren Konflikt. Wir müssen dann auch mal nein sagen können.

Es ist für das eigene Selbstwertgefühl sehr wichtig uns von den anderen abzugrenzen. Auch wenn wir dann damit rechnen müssen, nicht unbedingt immer beliebt zu sein.

Aber müssen wir wirklich Everybody’s Darling sein? Nein. Die Menschen, die dich wirklich lieben, werden dich auch verstehen, wenn du mal nein sagst.

 

Mein Leitsatz ist: “ich mag mich so wie ich bin, auch wenn es heute mal wieder mit der Technik nicht so klappen mag. Morgen geht es dafür umso besser”.

 

Und wann hast du das zuletzt zu dir selbst gesagt?

Test
Hier kannst du testen, wie kritisch du mit dir selbst bist.

Schau dir ein Foto von dir an und sage: “Tolle Frau oder toller Mann, ich liebe dich”. Wie geht es dir dabei?

a) Ich fühle mich bestärkt
b) Ich fühle mich unsicher
c) Das ist eine Lüge

Du bekommst von einem Kollegen ein Kompliment?

a) Danke, ich fühle mich gut
b) Wieso sagt er das jetzt? Ich fühle mich unsicher.
c) Jetzt kommt er mit Schmeicheleien, damit ich wieder die Post für ihn erledige.

Du willst in einem wichtigen Meeting mit einer Präsentation überzeugen. Wie stärkst du dich, um mit einem guten Gefühl in das Meeting zu gehen?

a) Ich frage meinen Partner oder Freund/ Freundin, was der/die von meiner Präsentation halten.
b) Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll.
c) Ich brauche keine Stärkung, da muss ich durch.

Warum zweifeln so viele Menschen an sich Selbst?

a) Diese Menschen suchen nach Schutz vor Enttäuschung.
b) Das kann ich nicht beantworten.
c) Selbstsicherheit gibt es nicht.

Welchen Buchstaben hast du am häufigsten angekreuzt?

A) Du verfügst im Moment über eine realistische Vorstellung von dir selbst. Es sind nicht unbedingt Selbstzweifel die dich plagen. Hinterfrage dein Verhalten in Stresssituationen. Bist du höchst kritisch in der Bewertung dessen, was dich ausmacht? Du möchtest authentisch und selbstsicher wirken. Was durchaus gut ist, um in diesem Leben zurecht zu kommen. Frage dich aber, ob du dich selbst dabei ausreichend lobst, oder ob dein Blick auf dich eher kritisch ist. Verliere deine Potentiale nicht aus deinen Augen.

B) Du bist deiner Selbst zurzeit nicht sicher. Du fragst dich, wer bin ich? Was sagen die anderen über mich? Führe ein Tagebuch und schreibe auf, was ist dir Gutes passiert? Was hast du besonders gut hinbekommen? Wie hast du das gemacht? Wie verhält du dich in Stresssituationen? Wann hast du dich selbst gelobt? Wann hast du dir etwas Gutes getan?

C) Du weißt, in dir steckt noch so viel mehr. Aber du lenkst deine Blicke eher darauf, was die anderen können. Bleibe bei dir und deinen Bedürfnissen. Lenke deinen Fokus auf deine Stärken. Führe ein Tagebuch und schreibe auf, was dir Gutes widerfahren ist. Was hast du besonders gut hinbekommen? Wie hast du das gemacht? Wie verhält du dich in Stresssituationen. Wann hast du dich gelobt? Wann hast du dir etwas Gutes getan?

Und zu guter Letzt:

„Ein Bild des Jammers“, sagte er. „Genau. Ein Bild des Jammers.“ Er drehte sich um und ging langsam zwanzig Meter am Bach entlang, durchquerte ihn platschend und ging langsam auf der anderen Seite wieder zurück. Dann betrachtete er sich wieder im Wasser.
„Wie ich mir gedacht hatte“, sagte er. „Von dieser Seite auch nicht besser. Aber es stört niemanden. Es macht keinem was aus. Ein Bild des Jammers, aber genau.“

Monolog des Esels I-Ah aus dem Kinderbuch Pu der Bär von A. A. MILNE

Gehe achtsam mit dir um. Esther Wolfram


Beitragsbild Quelle: Essen Wein © estherwolfram

Bild 1 Quelle: Hamsterstop  © estherwolfram

Bild 2 Quelle: Restaurant Bresse © estherwolfram

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