Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt

Dauerstress für hochsensible Menschen

(mit Miniumfrage am Ende des Artikels)

Zurzeit fällt es mir besonders schwer zur Arbeit zu gehen. Meine gewohnte Arbeitsstrecke mit der Straßenbahn kann ich aufgrund von Baustellenarbeiten nicht benutzen. Dadurch muss ich zurzeit mit der U-Bahn fahren und am Hauptbahnhof umsteigen.

Die U-Bahn ist im Moment fürchterlich voll, und der Weg auf dem Umsteigebahnhof ist eine Tortur. Dabei geht es nicht darum, dass die Rushhour viele Menschen bewegt, sondern darum, dass es übervoll ist. In der U-Bahn fühle ich mich wie eine Ölsardine in ihrer Dose.

Und oft verpasse ich eine U-Bahn beim Umsteigen, da die Menschenmassen, die mir entgegenkommen, mich fast umrennen, erdrücken und in die falsche Richtung schieben. Dabei fürchte ich immer die Rolltreppen und Bahnsteigkanten.

Hinzu kommen die Menschen mit ihren Rollkoffern, die in der Regel über meine Füße gerollt werden. Manchmal kann ich aufgrund der Menschenmassen die Koffer nicht sehen und ich falle jedesmal darüber.

Dann rollt die U-Bahn in den Bahnhof ein. Inzwischen habe ich den Standplatz dort gefunden, wo die Tür ankommt. Wenn sich sich öffnet dann strömen Menschen heraus. Dann höre ich die Ansage “Zurüeiben, die Türen schließen”. Jedesmal bricht Panik bei den anderen aus. Jetzt steigen Menschen gleichzeitig aus und ein und ich befürchte meinen Sitzplatz nicht mehr zu bekommen.

Dann spüre ich eine Hand, die mit großer Wucht auf meinem Rücken landet, und die Masse schiebt mich in die Tür hinein. Schweiß steht auf meiner Stirn, puh. Wenn ich endlich einen sicheren Platz gefunden habe, dann bin ich glücklich.

Sobald ich mich in dieser Situation befinde, fühle ich mich bedrängt durch den Körperkontakt, genervt durch das unglaublich laute Geplapper in die Mobilgeräte, und dann noch das Toben und das Geschrei der Teenager auf dem Weg in die Schule.

Außerdem rieche ich manchmal Alkohol, Schweiß, Zigaretten, den viele Menschen ausdünsten, und die Frühstücksbrote.

Wenn ich nicht aufpasse, dann schnupft oder hustet mir jemand ins Gesicht. Zum Glück stecke ich mich nicht so schnell an. Aber mein Magen dreht sich am frühen Morgen manchmal regelrecht im Kreis herum.

Wenn ich nicht etwas für mich tue, dann kann es geschehen, dass ich bereits mit Stresssymptomen zur Arbeit gehe.

Was hilft mir, um trotzdem gut zur Arbeit zu gelangen?

Gegen die Menschenmassen kann ich nichts machen. Und die Strecke eignet sich weder für eine Autofahrt noch für eine Fahrt mit dem Fahrrad.

Wenn es möglich ist suche ich mir einen Sitzplatz. Dort bin ich dem Gedränge nicht völlig ausgeliefert. Durch Atemübungen habe ich gelernt den Stresspegel niedrig zu halten.

Außerdem helfen Akuspressur und Klopftechniken. Weiterhin helfen Ablenkungen, wie ein gutes Buch oder Rätselspiele.

Ferner hilft es mir, mich auf irgend etwas zu konzentrieren, eine Übung zur  Ablenkung, um die vielen Reize etwas in den Hintergrund zu drängen.

Sind die unangenehmen Gerüche so stark, dass sie mich zu belasten drohen, wende ich einen einfachen Trick an. Ich träufle meinen Lieblingsduft auf einen Ärmel, Taschentuch oder Halstuch. Den halte ich mir dann vor die Nase und schon geht es mir besser.

In dieser Woche habe ich die Menschen in der U-Bahn beobachtet und überlegt, wie wohl die anderen die Situation empfinden und wie sie damit umgehen.

Ich konnte beobachten, dass es drei Typen von Menschen gibt:

Typ 1: Ich behaupte mich und beanspruchen meinen Platz

Typ 2: Ich ignoriere dich, die Menschen sind mir egal.

Typ 3: Es strengt mich an

Typ1 drängelt so lange bis er seinen Platz hat und rückt dann auch kein bisschen, wenn jemand dazu kommt.

Typ 2 hört Musik vom Smartphone, schaut nicht auf, sondern ins Smartphone. Dieser Typ nimmt die Situation lässig hin.

Typ 3: erkennt man daran, dass er des öfteren die Position wechselt. Besonders, wenn Typ 1 oder Typ 2 zu dicht herankommen.

Außerdem schütz sich Typ 3, oft mit Kopfbedeckungen vor den Geräuschen und zu viel Nähe. Kapuze wird aufgesetzt oder der Mantelkragen hochgeschlagen.

Auch Tücher und andere Utensilien werden verwendet. Durch diese Art der Kleidung hofft vielleicht der eine oder andere sich vor Bakterien und Viren schützen zu können.

Sie suchen auch oft einen Stehplatz, wo der Rücken durch eine Wand oder Tür geschützt ist. Dieser Typ mag keine anderen Menschen im Rücken haben. Dieser Typ ist merklich gestresst.

Meine Tipps für dich:

Hochsensible Menschen neigen dazu sich schnell mit Erkältungen anzustecken. Daher haben sie bereits schon im Vorfeld Angst sich zu infizieren.

Die Angst tut dem Immunsystem aber nicht gut. Daher ist es besser, prophylaktisch etwas für die Stärkung des Immunsystems zu tun.

Daher sprich mit deinem Arzt oder Homöopathen. Dieser kann dir Mittel zur Stärkung deines Abwehrsystems verschreiben.

Ich glaube, ich brauche dir nicht zu erklären, dass du dich vitaminreich und ausgewogen ernähren solltest, Sport zu treiben und ausreichend zu schlafen.

Sorge für dich, sorge für deine Gesundheit. Mit einer guten Vorsorge gehst du sicherer in die Welt, und dein Gehirn sagt dir, du kannst dich jetzt nicht anstecken.

Das ist eine gute Basis um sich vor allgemeinen Erkrankungen zu schützen.

Weiterhin helfen Entspannungskurse. Hier kannst du lernen in angespannten Situationen Techniken zur Stressreduktion anzuwenden.

Techniken die du sofort anwenden kannst:
Schnauben:

Hast du schon einmal zugeschaut, wie außerordentlich Pferde schnauben können. Pferde sind schell zu erschreckende Tiere, sie schnauben gegen ihre Nervosität an.

Probiere es auch einmal aus. Wenn es dir mal wieder zu viel ist, dann schiebe deine Lippen nach vorne und schnaube. Dadurch lockerst du den ganzen Bereich um den Mund herum. Durch das Lockern signalisierst du deinem Gehirn: Entspannung.

Duft atmen:

Sind dir die Gerüche zu viel, dann sorge dafür, dass du beim Atmen deinen Lieblingsduft in der Nase hast. Rosen- oder Lavendelöl wirken besonders beruhigend.

Angenehme Düfte haben eine beruhigende Wirkung und gehen über die Nasenschleimhaut direkt in das Gehirn in den Bereich, der die Emotionen verarbeitet. Durch die beruhigende Wirkung kannst du deine Sinne besser stabilisieren. Benutze aber nur Düfte, die du verträgst.

Für manche hochsensible Menschen ist der Lavendelduft oft zu stark.

Klopftechnik:

Ebenso beruhigend wirkt das Klopfen oder Reiben mit zwei Finger im Herzbereich. Durch das langsame Klopfen spürt der Vagusnerv einen angenehmen Rhythmus. Das Herz beginnt ruhiger zu schlagen. Durch den Rhythmus wirst du dich und dein Herz sich beruhigen.

Wasser trinken:

Gerade wenn die Luft in geschlossenen Räumen bzw. Fahrzeugen sehr warm und schlecht ist, dann ist es gut ein paar Schlucke kaltes Wasser zu trinken.

Das kühle Wasser läuft entlang der Speiseröhre, dicht an der Aorta vorbei. Das beruhigt die Herzfrequenz. Die kühle Frische lenkt dich von der schlechten und heißen Luft ab. Du signalisiert deinem Gehirn, dass Alles in Ordnung ist.

Jetzt möchte ich von dir wissen, wie es dir ergeht. Bist du merklich gestresst in öffentlichen Verkehrsmitteln? Ich würde mich sehr freuen, wenn du dich an der kleinen Abstimmung beteiligst. Ich freue mich auch über eine Mail oder einen Kommentar und über deine Geschichte.

Und hier kannst du abstimmen:

Fühlst du dich in öffentlichen Verkehrsmitteln gestresst?

Ergebnis der Umfrage

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Wenn du magst schreibe mir deine Geschichte, Erfahrungen oder hilfreiche Tipps.

Gehe achtsam mit dir um

Esther Wolfram


 

Beitragsbild Quelle: U-Bahn © estherwolfram

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