Biografiearbeit – der Weg zu deinen Ressourcen

Wenn du lernst deine Lebensgeschichte zu begreifen, dann kannst Du auch deine Lebensentwicklung gestalten.

“Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.” (S. A. KIERKEGAARD)

Vor kurzem habe ich eine Schulfreundin aus der Grundschulzeit getroffen. Zuerst haben wir uns nicht erkannt. Ich hatte einen Termin in einem neuen Kosmetikstudio. Die Kosmetikerin stellte sich mit ihrem Namen vor. Ich stutzte, da mir der Name bekannt vorkam und bemerkte, dass auch sie überlegte.

Und auf einmal wurde uns klar, wir kennen uns bereits.

Und dann kamen die Erinnerungen zurück. Wir erzählten uns, was wir eigentlich längst wußten, aber aus der Perspektive von heute. Durch das Treffen wurden alte Erinnerungen, die ich schon längst vergessen hatte, wieder ins Gedächtnis geholt.

Lebensgeschichten sind immer auch emotional. Wir erinnern uns weniger daran, welche Schuhe wir damals trugen, als wie wir uns am ersten Schultag gefühlt haben. So sind unsere Geschichten und die emotionalen Erinnerungen manchmal beschämend, zweifelhaft, aber auch bezaubernd. Einige sind traumatisch und schrecklich, so dass wir uns nicht gern an sie erinnern wollen.

Oft haben wir auch Gutes vergessen – und das ist für das zukünftige Leben schade. Ich habe vergessen, das meine Schulfreundin mich damals bewunderte, da ich eine fremde keltische Sprache sprechen konnte, leider habe ich diese Sprache verlernt. Ich konnte mich auch gar nicht daran erinnern, dass ich sie teilhaben ließ. In meiner Erinnerung glaubte ich die Fähigkeit verschwiegen zu haben.

Es hat mir aber gut getan, mit der Schulfreundin gesprochen zu haben, da ich mich mit meinen alten Geschichten viel mehr versöhnen konnte. Dazu gehörte auch, mich an Geschichten zu erinnern, die ich vergessen habe und die dazu geeignet sind, ein anderes Licht auf mein Leben zu werfen.

Jeder Mensch besitzt gewisse Erinnerungen, in denen er sich ungerecht und unverstanden oder anerkannt und geliebt fühlt. Es gibt gute und schlechte Erinnerungen, sie laufen parallel nebeneinander her, z. B. wie der Schuldirektor, der mein “gemaltes Bild” in seinem Zimmer aufhängte, da ich bereits mit 7 Jahren sehr gut Menschen malen konnte. Ich war damals sehr stolz. Das war meine Erinnerung aus dieser Zeit.

Es gibt immer Erinnerungen die unsere Grundstimmung positiv beeinflussen können.

Wie kann man die Erinnerungen unsere Geschichte nutzen?

Sich Erinnern, bedeutet sein Inneres  zu erforschen. Sicherlich kannst du chronologisch vorgehen. Doch bei einem chronologischen Rückblick besteht die Gefahr, dass du Dich nur an Geschichten erinnerst, an die du sowieso immer denkst. Außerdem beschäftigt du dich zu sehr mit Lebensdaten als mit Ereignissen. Wenn ich coache, dann beginne ich mit einer ungewöhnlichen Fragestellung, die es dem Coachee ermöglicht sein Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Oft klingen uns Mutter, Vater und Lehrerworte noch lange nach.

“Wenn du stark sein möchtest, dann müßtest du lernen alleine zu kämpfen…”

” Bevor du um etwas bittest, erkenne den Unterschied zwischen Wollen, Können und Dürfen”.

Das klingt mehr wie ein Vorwurf. Irgendetwas schien nicht in Ordnung zu sein, eine Unterstützung sind diese Sätze nicht. An welche Sätze erinnerst du Dich?

“Ordnung ist das halbe Leben, Ordnung spart Zeit und Müh”.

Ich habe den Satz gehasst. Mit diesem Satz habe ich mich als Kind immer eingeengt gefühlt und auch noch heute fühle ich wie damals. Der Satz bedeutet nichts anderes als ein Leben zu bändigen und anzupassen. Bloß kein Chaos und keine Freizügigkeit aufkommen zu lassen (60er Jahre). Durch mein heutiges Wissen über die Bedeutung der “Sixtees” steht der Satz in einem anderen Licht. Heute hat er für mich eine andere Bedeutung.

Sich an die Worte der Mutter-  und des Vaters zu erinnern und sich selbst einmal fragen, was hat das mit dir gemacht, führt dich mitten in deine Lebensgeschichte hinein.

Frage dich doch mal selbst: an welche Worte kannst du dich noch ganz besonders erinnern und wie beeinflussen diese noch deinen Alltag?

Welche Worte hatten einen ganz besonderen Einfluss auf dein Leben?

Fördern und spornen dich die Worte an oder bremsen sie dich eher aus?

Wenn du die Worte reflektierst, dann überlege, ob sie dich einengen oder dir weiterhelfen?

Sind die Worte sogar zu deinen Leitsätzen geworden?

Wo kommen die Worte her, wurden sie von Generation zu Generation weitergegeben?

Welche Wirkung hatten die Worte in deinem Familiensystem?

Erfüllten sie einen bestimmten Zweck?

Wenn du dir dessen bewusst wirst, dann kannst du dich selbst besser verstehen.

Was hat dich geprägt?

Welche Möglichkeit stehen dir heute zur Verfügung um Entscheidungen zu treffen.

Und sollen die Worte in deinem Leben weiterhin gelten?

Was ist dein Lebensmotto?

Jeder von uns hat ein Lebensmotto nach dem er lebt. Nicht immer ist uns bewusst, wie stark wir davon geleitet werden. Aber dieser Leitspruch, Motiv, Wahlspruch ist dein Motor für dein Leben.

Finde heraus, was ist dein Lebensmotto?

Was ist die Kraft, die dich durch dein Leben führt?

Welches Motiv hast du gewählt?

Ein Lebensmotto kann sich aber verändern. In der Regel finden Veränderungen in den Übergangsphasen statt. Die Pubertät stellt daher oft Familienregeln in Frage. Aber auch andere Menschen, die wir bewundern, führen uns in eine neue Erkenntniswelt, die uns zeigt, dass es da noch etwas anderes gibt. Das Lebensmotto unserer Großeltern wird uns dann fremd.

Auch durch das Lesen von Büchern werden wir angeregt uns mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Unsere Einstellung verändert sich.

Reflektiere dein derzeitiges Lebensmotto? Woher kommt es, welchen Sinn erfüllt dein Motto, wie bist du, also durch welche Erfahrungen, bist du dort hingekommen?

Wichtig ist, dass du beachtest, es sind die kleinen Freuden, die dein Alltag positiv beeinflussen. Frauen definieren sich eher über Beziehungen und Männer über Leistungen. In der Erinnerung bleibt aber das jeweilige Gefühl. Hast du dich wohl auf der Arbeit gefühlt und Freude an deiner Tätigkeit gehabt, dann wirst du viel stärker motiviert sein.

In der Reflexion kannst du dich fragen, was hat dir heute Freude und wer hat dir Freude bereitet?

Wie hat sich das angefühlt? Wie hat sich das auf deine Stimmung ausgewirkt?

Wie verändert es dein Verhalten?

Ziehst du ein Gewinn daraus und bestimmt die Vorfreude dein Leben?

Indem du dir klar wirst, welche positiven Erlebnisse deine Biografie hergibt, wirst du in vielen Situationen viel lebendiger werden. Du fühlst dich verstanden. Dein positives Empfinden zu sensibilisieren ist daher eine sehr wichtige Ressource.

Die Idee dabei ist, dass dein Rückblick, deine Biografiearbeit, den Reichtum deines Lebens nochmals in Erinnerung ruft.

Diese Ressourcen kannst du für deine Zukunft nutzen.  Wenn du mit deinem Leben zufrieden bist und deine Möglichkeiten erkennst, wirst du auch in der Lage sein, deine Ziele und Projekte erfolgreich umzusetzen. Deine Lösung ist sichtbar und erfahrbar. Dadurch ist deine Identität für dich fassbar.

Vielleicht kommen auch alte Sehnsüchte wieder zum Vorschein. Aber auch die schmerzlichen Erinnerungen sind ein Teil von dir und haben dich zu der Person gemacht, die du heute bist.

Sich mit dem Leben zu versöhnen bedeutet Kraft für Neues zu haben.

Es lohnt sich daher, auch für dich, wenn du dich mit deiner Biografie beschäftigst.

Hole doch mal deine alten Fotos hervor und fange einfach an. In einem persönlichen Coaching kann ich dich mit gezielten Fragen unterstützen. Ziel ist es herauszufinden, was ist wirklich wichtig für dein Leben.

Gehe achtsam mit dir um

Esther Wolfram

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