A0028 Achtsamkeit und gutes Wetter

und vom Schäfer, Schafe und Gelassenheit

Gestern bin ich durchnässt in die Tram eingestiegen, die bereits schon viel zu lange auf sich warten ließ. Nach drei Minuten stoppte sie und es ging nicht mehr weiter. Die Durchsage des freundlichen Tramfahrers stieß auf eindeutiges Unbehagen aller Tram-Insassen. “Die Tram darf nicht mehr weiterfahren, aufgrund eines Staatsbesuches.” Murmel. Murmel… dann rief jemand: “machen sie unverzüglich die Tür auf.” “…wir wollen aussteigen”. Dies ging aber nicht, da wir durch den Polizeieinsatz eingeschlossen waren.

Auch ich spürte, wie Unmut in mir aufkam und beinahe ließ ich mich vom negativen Fluß der Tram-Insassen mitreißen. Doch dann griff ich zu meinem Buch, dass ich mir gerade gekauft hatte und versank träumerisch in den schönen Bildern.

Nach 15 Minuten ging es wieder weiter. Der Tramfahrer  spaßte und sagte: “Herr Steinmeier fuhr links an uns vorbei mit einem Gruß und jetzt geht alles normal weiter.”

Als ich endlich zu Hause ankam, war es 15 Minuten später als geplant. Ich sagte mir, so schlimm ist es nun auch nicht. Immer diese Hetze, wozu?

Ja klar, so ein Arbeitstag ist eng, die Zeit muss gut eingeteilt werden. Aber muss ich immer von einem Termin zum nächsten hetzen? Sind solche kleinen Zwangspausen nicht schön, wenn du sie nutzt, um die Zeit einfach einmal mit träumen zu vertun, ohne ein Ziel, ohne Leistung, ohne Stress?

Ein Leben ohne Stress ist für viele Menschen undenkbar

Wie geht es dir mit dieser Idee? Macht dich bereits der Gedanke nervös im Zug oder anderswo wertvolle Zeit zu verlieren? Nimmst du dir regelmäßig Zeit zum Träumen? Oder bist du immer auf dem Sprung? Ein Termin jagt den anderen?

Ich versuche mich nicht mehr in derartigen Gefühlen zu verlieren. Gefühle, sich durch den Tag hetzen zu lassen. Ich möchte das Leben so nehmen wie es gerade ist. Mich nicht über Dinge ärgern, die sich im Moment gerade nicht ändern lassen. Stattdessen möchte ich die Situation so annehmen, wie sie gerade ist. Ob es mir immer so gelingt, das weiß ich nicht.

Aber es fällt mir zunehmend leichter, mich im hier und jetzt zu erleben und diesen Moment zu genießen. Jeden Augenblick so zu nehmen, wie er ist und ihn auch so anzunehmen. Damit bin ich glücklich und zufrieden.

Und wie schaffe ich das?

Durch Achtsamkeitsmethoden….

Immer wieder nehme ich mir Zeit um Methoden zu erlernen, die meine Achtsamkeit fördern.

Im Moment probiere ich eine für mich neue Methode aus und ich bin sehr von ihr begeistert. Deshalb möchte ich auch dir davon berichten.

Ich liebe Achtsamkeitsmethoden, wende sie gerne bei mir an und gebe Übungen auch gern an andere weiter. Im Bereich der Meditation, Yoga und Entspannug habe ich bereits vieles verinnerlicht.

Nun hatte ich Lust etwas Neues auszuprobieren.

Ich besuche einmal in der Woche eine Gruppe und übe mich in Feldenkrais. Am Anfang fand ich die Übungen eigenartig. Aber nach einigen Sitzungen stellte sich sehr schnell ein Wohlgefühl ein. Jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich die Übungen in den Alltag mit einbeziehen kann. Ich achte viel mehr auf meinen Körper, meine alltäglichen Bewegungen und was mir gut tut.

Was ist Feldenkrais:

Laut Wikipedia ist Feldenkrais-Methode eine körperorientiertes, pädagogisches Verfahren, welches nach seinem Begründer Moshé Feldenkrais (1904–1984) benannt ist.

Dabei geht es um die Schulung der Selbstwahrnehmung. Sämtliche Bewegungsabläufe können bewusst wahrgenommen und optimiert werden. Aber auch der Geist wird gleichzeitig mit dem Körper beweglicher gemacht. Man bekommt eine Idee für das körperliche Wohlbefinden, um es im Alltag entsprechend umzusetzen.

Die Lektionen in meinem Kurs berühren mich tief. Das tolle ist, du gehst achtsam mit dir und deinem Körper um. Diese Haltung ist etwas, was mich persönlich sofort anspricht. Und ich kann die Übungen in meinem eigenen Tempo durchführen. Dabei geht es mal nicht, um das Erbringen von Leistungen. Es soll überhaupt kein Resultat erreicht werden. Dafür fordern die Übungen Aufmerksamkeit und eine Freiheit zum Experimentieren.

Am Anfang ist dies sehr ungewohnt und ich wollte die Übung möglichst perfekt ausführen. Aber hier loszulassen ist die Kunst, um im Moment präsent zu sein. Ich liege also auf meiner Matte und nehme mich so wahr, wie ich gerade bin. In der Regel nehme ich zuerst meine linke Seite vom Fuß bis zum Kopf aufmerksam wahr und staune darüber, was ich alles spüre. Wenn ich dann die rechte Seite wahrnehme, wundere ich mich über die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten. Kleine Bewegungen unterstützen die Wahrnehmung. Aufgrund meiner derzeitigen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, dass Feldenkrais eine gute Methode ist, um Blockaden zu lösen und um eine Neuorientierung zu begleiten. Es hilft dabei sich freier zu fühlen und weiter in sich zu wachsen. Inneres Wachstum wiederum hilft neue Potentiale bei sich zu entdecken. Ich schätze dabei sehr mich offen und frei für spielerische Experimente zu machen.

Ich bin davon überzeugt, wenn ich meine Bewegungsgewohnheiten verändere, dann wird auch der Wunsch erzeugt, neue Fertigkeiten erlernen zu wollen. Dabei richte ich die volle Aufmerksamkeit auf die Qualität der Bewegung  und horche auf das sensorische Feedback aus meinem Körper. Ich fühle mich, ich spüre meinen Körper. Und ich fühle mich die ganze Woche hindurch wohl. Das hat mich davon überzeugt die richtige Methode gewählt zu haben.

Warum erzähle ich dir davon?

Ich möchte, dass du eine Idee davon erhältst wie du dir selbst mehr Aufmerksamkeit schenken kannst. Das Leben ist viel zu kurz, um unaufmerksam durchs Leben zu gehen. Wie oft höre ich, schon wieder ist eine Woche vorüber oder schon wieder ist der unliebsame Montag da. Oder gar, schon wieder ist ein Jahr vergangen. Die Zeit fliegt nur so davon. Wir Menschen sind für eine kurze Zeit Gast auf dieser wundervolle Erde.

Oft sind wir durch Verpflichtungen fremdbestimmt. Vieles tun wir selbstverständlich, automatisch ohne es zu hinterfragen. Oft meinen wir, wir müssen einfach nur funktionieren, um in dieser Welt überleben zu können. Aber genau hier möchte ich dich zum Umdenken anregen. Um gut zu leben braucht dein Leben deine Aufmerksamkeit. Du lernst das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen. Und du verlierst dich nicht in Alltäglichkeiten. Dabei lernst du dich selbst wertzuschätzen. Mit dir selbst achtsam umgehen.

Achtsamkeit heißt, nicht zu werten, auch nicht zu erklären und keine Leistung herbeizuführen. 

Du nimmst  etwas wahr, dich, wie du gerade bist – ohne ein Ziel. 

Und persönliches Wachstum ist nur möglich, wenn es auf der Basis, deiner Wahrnehmung geschieht. Mittels Achtsamkeit gelingt es dir besser zu beobachten und Entscheidungen aufgrund von Wissen und nicht aufgrund von Äußerlichkeiten zu treffen. Du wirst Abhängigkeiten verringern und dich freier fühlen.

Angenehmes und Unangenehmes ist wie es ist. Achtsam kannst du den Tag Revue passieren lassen ohne zu werten. Deine Beobachtungen führen dich weiter. Du wirst gelassener werden und nicht von Punkt zu Punkt hetzten. Dankbarkeit für jeden schönen Moment stellt sich ein.

Und genauso war ich Dankbar für die Zeit in der Tram, Zeit zu haben, um ein wenig die Gedanken fließen zu lassen und zu träumen.

Welche Methode ist für dich geeignet?

Hast du dir schon einmal überlegt für dich geeignete Methode zu suchen? Schau dich einmal um, was es alles so gibt. Die Angebote sind vielfältig. Auch in deiner Nähe gibt es Angebote, viele Volkshochschulen bieten ein tolles Programm. Auch physiotherapeutische Praxen, Rehazentren und Institute für andere Methoden bieten dir viele Möglichkeiten. Lass deine Zeit nicht einfach so an dir vorbei ziehen. Nutze deine Möglichkeiten für ein gutes Leben.

Gehe achtsam mit dir um

Esther Wolfram

Halt bleib noch dran. Ich wollte dir ja noch vom Wetter, Schafen und dem Schäfer etwas erzählen.

Meine Feldenkrais-Lehrerin erzählt uns immer auch eine Geschichte. Das gefällt mir sehr.

Da das Wetter derzeit so ist, wie es eben ist, möchte ich auch dir diese kleine Geschichte weitererzählen. Einen Autor habe ich nicht gefunden und ich erzähle die Geschichte aus meinem Gedächtnis wieder.

Der Schäfer das Wetter und was wir tun können

Eines Tages trifft ein Wanderer auf einen Schäfer. Neugierig fragt ihn der Wanderer, wie wohl das Wetter in den nächsten Tagen werden würde. Der Schäfer antwortet:

„So, wie ich es gerne habe.“

Erstaunt von der Antwort fragt der Wanderer:

„Woher wissen Sie, dass das Wetter so werden wird, wie Sie es mögen”.

„Sehr einfach”, antwortet der Schäfer mit einem Lächeln. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht immer das bekomme, was ich möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich mir sicher, dass das Wetter so wird, wie ich es mag.“

In unserem Leben treffen wir öfter auf Situationen, die wir nicht ändern können. Dann gilt es, das Beste daraus zu machen.

Ich wünsche dir daher das Beste und freue mich auf eine Rückmeldung.

Und wenn du Lust hast, schreibe mir auch gern was du für deinen inneren Wachstum tust, welche Methoden du bevorzugst oder Fragen die dazu hast.

Comments 1

  1. Schöne Geschichte. Erinnert mich an ein Sprichwort von Karl Valentin: “Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.” Dieser Spruch begleitet mich schon viele Jahre und symbolisiert sehr gut meine innere Einstellung zu den Dingen, die ich nicht in der Hand habe 🙂 Liebe Grüße und einen schönen Sonntag. Heike

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