A0026 Dein Tool – Kollegiale Beratung

kollegiale Beratung

Warum Kollegiale Beratung eine Methode zur gegenseitigen Unterstützung ist

Letzte Woche hatten wir das Thema Mastermind-Gruppen.

Heute möchte ich das Thema erweitern und die Methode der kollegialen Beratung vorstellen.

Diese Methode ist in vielen Arbeitsbereichen bereits bekannt. Trotzdem beobachte ich, dass sie nicht wirklich Anwendung findet.

Als Antwort erhalte ich dann:

„Ja, wir besprechen die Themen doch in der Kaffeepause…”

(Tür-und-Angel-Gespräch) oder

„Ich weiß nicht genau, was ich in einem Gesprächskreis mit Kollegen machen soll“.

Mein Beispiel soll Mut machen

Aus meinem Arbeitsbereich kann ich zum Beispiel davon berichten, wie ich mich mit Personalentwicklern aus unterschiedlichen Branchen zur fachlichen Beratung und Unterstützung traf.

Jeder schilderte an einem bestimmten Tag seinen Fall. Ich stellte ein Personalentwicklungskonzept für den sozialen Bereich vor.

Meine Fragestellung war, wie kann ich mit einem kleinem Budget trotzdem hochwertige Personalentwicklung betreiben.

Da sich in der Runde sehr erfahrene Personalentwickler befanden, gab es viele Ideen aus dieser Runde.

Dieses Sammeln von Einfällen war durchaus für das Konzept bereichernd.

Ich konnte aus den Anregungen wählen und das Konzept vervollständigen. Außerdem wurden meine Ideen gelobt und nur noch ein wenig modifiziert.

Mit der Beratung aus dieser Gruppe war ich sehr zufrieden. Vor allem war ich zufrieden, weil ich mich mit dem Personalentwicklungskonzept sicher fühlte.

Die Methode ist geeignet um außerhalb des Arbeitsalltags seine Arbeit zu reflektieren

Sicherlich ist es nicht einfach diese Methode im normalen Arbeitsprozess einzuführen. Außerdem hat sie nichts mit der allgemeinen Alltagskommunikationsie zu tun.

Diese Methode funktioniert nur in einem abgesteckten Rahmen und festen Regeln.

Ist sie richtig eingeführt und sind die Teilnehmer in der Anwendung geübt, dann sind alle begeistert und profitieren davon.

Was ist die kollegiale Beratung?

Im Gegensatz zu den Mastermind-Gruppen befindet sich die kollegiale Beratung in einem beruflichen Kontext, z. B.

  • Führungskräfte reflektieren ihr Führungsverhalten
  • Erzieher, Sozialpädagogen oder Heilpädagogen reflektieren einzelne Fälle
  • Projektleiter reflektieren bestimmte Problemsituationen in den Projekten
  • Personalleiter reflektieren Probleme bezüglich der Nachwuchskräfte
  • und vieles mehr

Kollegiale Beratung ist ein Verfahren zur Moderation und Gestaltung eines berufsbezogenen Selbsthilfe- oder Reflexionsprozesses.

Sie ist ein Verfahren praxisbegleitenden Lernens und selbstorganisierter professioneller Praxisreflexion, das sich auf konkrete Probleme sowie Handlungssituationen oder „Fälle“ bezieht.

Dabei geht es auch um einen Interaktionsprozess zwischen den innerbetrieblichen Experten, die Hilfe suchen und denen, die helfen wollen.

Welche Voraussetzungen benötigt die kollegiale Beratung?

  • Die Methode muss eingeführt werden, am besten durch eine Fortbildung.
  • Sie muss geübt , die Regeln verstanden und die Rollen geklärt sein.
  • Eine Voraussetzung für die Methode ist die Eigenverantwortlichkeit.
  • Dadurch werden die eignen kommunikativen Kompetenzen erweitert, dazu braucht es Kompetenzen, wie aktives Zuhören, Ausdruck von Gefühlen, konstruktives Feedback, Kritikfähigkeit, Rollenkonformität und den Umgang mit Perspektivenwechsel.
  • Erforderlich ist die gegenseitige Akzeptanz als Kollegen untereinander. Dadurch wird die Identifikation mit dem jeweiligen Team gestärkt.
  • Die Methode erfordert eine formelle und zeitliche Strukturierung.
  • Sie benötigt eine klare Rollenverteilung und Reflektionsschritte.
  • Außerdem einen entsprechenden Rahmen und kann daher auch nur dort Anwendung finden, wo sie von den Leitungen befürwortet und gefördert wird. Dazu gehört Vertrauen und Fachlichkeit sowie die Bereitschaft der Leitungsebene Problemlösungen an die Teams oder Gruppen zu delegieren.

Was sind die Grenzen der kollegialen Beratung?

  • Die Kollegiale Beratung eignet sich daher nicht um Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten zu lösen.
  • Außerdem eignet sie sich nicht für eine subtile Kontrolle der Arbeit. Wird von den Akteuren bemerkt, dass andere Interessen eine Rolle spielen, dann ist die Kommunikation angstbesetzt und nur noch eine Fassade. Probleme werden dann nicht mehr aktiv gelöst.
  • Die Methode bezieht sich allein auf die Stärkung der Akteure in ihren Handlungskompetenzen und nicht auf die Beziehungsebene.

Wie kann die Methode der kollegialen Beratung umgesetzt werden?

  • Die Methode braucht wie bereits schon erwähnt eine gründliche Einführung und Übungen.
  • Die gebildeten Teams sollten nicht zu groß sein. Aus meinen Erfahrungen sind 8 Teilnehmer ideal  und für 3 – 12 Teilnehmer geeignet.
  • Die Teilnehmer müssen nicht alle aus dem gleichen Bereich sein, sondern können durchaus auch aus unterschiedlichen Bereichen kommen, wenn die Multiperspektivität ein großes Spektrum an Handlungsoptionen zulässt. Das hängt aber von der jeweiligen Branche ab.
  • Aus unterschiedlichen Hierarchiestufen sollten die Mitarbeiter nur dann sein, wenn die formale Position keinen hemmenden oder bestimmenden Einfluss auf die Problemberatung hat.
  • Ein entscheidender Schwerpunkt der Methode ist die Moderation des Prozesses. Daher ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Rolle des Moderators schon einmal geübt haben.
  • Der Zeitbedarf muss festgelegt sein (in der Regel 60 bis 90 Minuten pro Fall). Der Moderator muss auch auf die Einhaltung der Zeit achten.

Warum ist die Moderation ein Schwerpunkt dieser Methode?

  • Durch die Moderation wird der Prozess gesteuert und alle sind aufgefordert sich an Regeln zu halten.
  • Der Moderator ist angehalten in seiner Rolle auf einen respektvollen Umgang untereinander zu achten, dass die Beteiligten nicht analytisch, belehrend oder bewertend agieren.  Der Moderator schützt die Teilnehmer vor zu weitgehenden oder persönlichen Fragen und er hält alle Bearbeitungsschritte fest (Protokoll).

Welche Rolle spielt derjenige der Beratung in Anspruch nimmt?

  • Dieser hat die zweite zentrale Rolle im Prozess und bringt als Ratsuchender sein Anliegen in die Gruppe ein.
  • Die Beschreibung sollte sich nicht nur auf sachliche und fachliche Fakten beschränken, sondern durchaus auch Querverbindungen, Impulse, Gefühle und weitere Anhaltspunkte aufzeigen, da diese oft aufschlussreiche Informationen zur Lösung des Problems bieten.
  • Die Beschreibung des Anliegens sollte daher möglichst konkret und bildhaft sein, so dass alle den Beschreibungen folgen können.
  • Durch gezielte Fragen an den Ratsuchenden sollte das Problem so eingegrenzt werden, dass es mit all seinen Facetten festgehalten werden kann.

Welche Rolle spielen die anderen bei dieser Methode?

  • Die Gruppe ist die Ressource aus der die kollegiale Beratung schöpft.
  • Mit den unterschiedlichen Erfahrungen und Fachkenntnissen, betrachten sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Problem.
  • Durch die Struktur wird ein Problemverständnis erzeugt.
  • Anhand der fachlichen Interpretationen können Lösungen für anstehende Probleme sichtbar gemacht werden.
  • Durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen einsteht ein multiprofessionelles Verständnis des Problems.
  • Wichtig dabei ist, dass die Phasen der kollegialen Beratung eingehalten werden und dass nicht vorschnell Deutungen und Lösungshinweise den Prozess hemmen.

Wie ist der Ablauf der kollegialen Beratung?

Auf der Homepage findet ihr eine tabellarische Ablaufbeschreibung.

Dieser Ablauf wir unterschiedlich geschult.

Wichtig ist dabei, dass in den jeweiligen eingehalten Phasen nicht diskutiert wird.

(Zusammenfassung)

Tabelle Esther Wolfram kollegiale Beratung

Mein Fazit zur Methode Kollegiale Beratung:

  • Dieses Verfahren funktioniert nur, wenn es gut eingeführt und geübt wird. Dabei muss der Prozeß eingehalten werden.
  • Voraussetzung ist aber ein Unternehmen, dass derartige Methoden willkommen heißt.
  • Durch starke Formalisierung der Kommunikation fördert die Methode die Selbstreflexion des Ratsuchenden. Außerdem fordert es vom Team die vorhandenen Ressourcen für die Suche nach geeigneten Problemlösungen nutzbar zu machen.
  • Die Verantwortung für den Prozess haben alle, da sie sich an Regeln halten müssen.
  • Durch die professionelle Steuerung und Begleitung werden Ergebnisse erzielt.
  • Die Methode ist sehr praxisnah und kann in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden.
  • Hierzu gibt es auch noch weitere Varianten, die in Fortbildungen oder Literatur zu finden sind.

Wenn die Methode etwas für dein Arbeitsalltag ist, dann schau doch mal, ob du in deiner Umgebung interessierte findest. Sucht euch eine Fortbildung dazu und legt einfach los.

Wenn Du hierzu noch Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen hast, dann würde ich mich über eine Nachricht freuen. Außerdem lade ich dich in meine Facebook-Gruppe Coaching -Elemente ein.

Gehe achtsam mit dir um

Esther Wolfram

Hier kannst du dir die Moderations-Karten und den zusammen gefassten Ablauf herunter laden.


Moderationskarten
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Fotograf: Snufkin

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